Solidarität mit dem Osthang!
Gude Lilienfans,
an dieser Stelle möchten wir all jenen, die nicht über die Hintergründe informiert sind, unsere Solidarität mit der Besetzung des Osthangs erläutern. Worum geht es dabei?
Der Osthang ist ein Areal an der Ostseite des Weltkulturerbes Mathildenhöhe. Das städtische Gelände wurde ab 2014 zunächst von verschiedenen Gruppen und später vom Osthang e.V. genutzt, um Kunst- und Kulturprojekte umzusetzen. Seither fanden dort Ausstellungen sowie Musik- und Theaterveranstaltungen statt. All diese Veranstaltungen waren kostenlos und für alle zugänglich. Dementsprechend war der Osthang für viele Menschen in Darmstadt, insbesondere für junge Leute, ein besonderer Ort. Er bot die Möglichkeit, kulturelle Angebote ohne Konsumzwang wahrzunehmen und auch mit wenig Geld etwas zu erleben.
Doch der Ort ist nun verschwunden, da die Stadt auf dem Gelände ein Informationszentrum für die Mathildenhöhe errichten möchte.
Als bekannt wurde, dass der Osthang geräumt werden soll, gründeten sich Initiativen, um für den Erhalt des Geländes zu kämpfen. Zu nennen sind dabei vor allem die Initiativen „Osthang bleibt” und „Osthang besetzt”. Letztere hat durch eine Besetzung im Dezember die Fällung der ersten Bäume verhindert und das Areal bis zum 19. Februar 2026 besetzt gehalten. Schließlich wurde die Besetzung von 400 Cops geräumt und abseits der Kameras kam es dabei zu ekelhaftester und erniedrigendster Polizeigewalt gegen die Besetzenden.
Der Verlust des Osthangs selbst ist jedoch nicht das Einzige, was uns dabei beschäftigt. Genau wie große Teile der Stadtgesellschaft halten wir das Projekt eines Informationszentrums für schwachsinnig denn es ist an Größenwahn kaum zu übertreffen. Einerseits stehen absolut interessante Jugendstilvillen leer, andererseits soll für 21 Millionen Euro ein Neubau entstehen. Dabei ist die knappe Kasse der Stadt ebenso zu berücksichtigen wie die Frage, was Vereine, Kollektive und Bildungseinrichtungen mit nur Bruchstücken dieses Geldes erreichen könnten.
Wichtig ist auch, dass stets behauptet wurde, das Informationszentrum sei für die Anerkennung als Weltkulturerbe nötig. Dies hat sich jedoch als Lüge herausgestellt. Während sich die Parteien der Stadtregierung gegenüber der Kritik an dem Projekt doof stellen, nutzt der Ordnungsdezernent die Besetzung sogar als Vorwand, um Populismus zu betreiben.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, wer eigentlich darüber bestimmt, welches Kulturangebot wichtiger ist und auf welches verzichtet werden kann. Wieso wird nicht von vornherein überlegt, wie sich die Konzepte verbinden lassen oder ob es andere Möglichkeiten gibt, damit bestehende Angebote erhalten bleiben?
Das Ganze hat den Beigeschmack, dass der Osthang nicht als gleichwertig betrachtet wird, weil er nicht das ist, was sich ältere Menschen, die vielleicht von der alternativen Szene abgeschreckt sind, unter Kultur vorstellen.
Für uns geht daher nicht nur ein wichtiger Ort verloren, sondern es zeichnet sich auch ein trauriger Prozess ab. In den letzten Jahren sind unzählige Projekte und Veranstaltungsorte verschwunden, während neue nur sehr selten entstehen. Räumlichkeiten sind knapp und vor allem furchtbar teuer, während die Akzeptanz gegenüber unvermeidbarem Lärm immer weiter sinkt. Jedes Jahr verlassen unzählige junge Kulturschaffende diese Stadt, um sich woanders zu verwirklichen, weil ihnen hier schlichtweg die Entfaltungsräume und Möglichkeiten fehlen. Dabei liegt diese Stadt genau zwischen den Ballungsräumen Rhein-Main und Rhein-Neckar und hat gerade in den Bereichen Kunst und Musik eine Tradition und einen Nährboden, von dem andere nur träumen können.
Wir betrauern den Verlust des Osthangs als wichtigen Ort dieser Stadt zutiefst, lehnen das geplante Informationszentrum als sinnlosen Protzbau kategorisch ab und fordern die Stadtpolitik auf, Kulturschaffende zu schützen und Räume zu schaffen, in denen sich kreative, unabhängige und alternative Menschen und Projekte entfalten können.
UDL im Februar 2026
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